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15.11.2011

Blickableiter – Kreative und Könige beim Forum Mediendesign

Ungefähr 800 Design-Interessierte fanden am Samstag, 5. November 2011, den Weg zum 5. Forum Mediendesign der RFH Köln, das wieder im Filmforum im Museum Ludwig stattfand. Die bis auf den letzten Platz besetzte Veranstaltung stand unter dem Motto "Blickableiter" und zog erneut ein breites Publikum aus Studierenden, Alumni, Lehrenden, Kommunikationsdesignern und Mediengestaltern an.

 

Acht renommierte Experten aus den Bereichen Grafik, Werbung, Fotografie und Film stellten ihre Positionen zum Thema vor. "Blickableiter" war nicht nur das Motto, sondern – so schien es bei vielen Vortragenden – auch Credo einer im Umbruch befindlichen Branche. Jetzt erst recht! In unsicheren Zeiten nicht auf Normales setzen sondern Neues wagen, lautete die Botschaft vieler Sprecher.


Sprachableiter und Ideenableiter

Armin Reins eröffnete die Konferenz mit dem Vortrag "Text sells. Erfolgreiche Sprache im Zeitalter von Google & Co.". Er erklärte, warum wir aufgrund der Mediennutzung gerade einen Paradigmenwechsel in der (werblichen) Sprache erleben, und erläuterte die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Gestalter und Textverantwortliche.

"Was Ideen wirklich killt." Im Rahmen seines Vortrages bot Reinhard Patzschke tiefe Einblicke in die Agentur-Arbeit und das Miteinander zwischen Agentur und Auftraggebern. Insbesondere gab er Handlungsempfehlungen, wie kreative Ideen im mitunter rauen Kundenalltag weitestgehend lebendig gehalten werden können.

Guido Heffels hat mit einigen seiner vielfach prämierten Arbeiten die Grenzen dessen, was bei Auftraggebern durchsetzbar ist, präsentiert; er betonte dabei recht deutlich, dass heute für außergewöhnlich kreative Arbeiten auch außergewöhnliche Kreative gebraucht werden ("Ich arbeite nicht mit Idioten").

Mit seinem offenen Auftreten spiegelt Lars Harmsen seine Passion für gute Typografie und feinstes Grafikdesign wider. Gespickt mit vielen "Blickableitern" stellte er seine Arbeiten vor. Seine Leidenschaft ist dabei in jedem einzelnen Buchstaben erkennbar. Obwohl einige seiner Schriften teilweise fremdartig erscheinen und kaum für den alltäglichen Gebrauch Verwendung finden, überzeugt seine prägnante Art der Gestaltung.

Der Oskar und die Rote Couch

Der dieses Jahr mit "Der Grüffelo" für den Oscar nominierte Animationsregisseur Jakob Schuh vollzog die schwierigen ersten acht Jahre des vielfach prämierten Animationsstudios Studio Soi nach. Anhand von sechs Beispielen gewährte er auf sehr sympathische und anschauliche Weise tiefe Einblicke hinter die Kulissen und in die Entstehungsprozesse seiner Filme.

"The Red Couch – A Gallery of Mankind". Der Fotograf und Künstler Horst Wackerbarth stellte mit seinem Rote-Couch-Projekt unterhaltsam und eindringlich den Übergang von konventioneller Arbeit (sprich Werbung) zu Kunst bzw. gesellschaftlichen und sozialkritischen Aspekten dar.
Seine Botschaft: nicht möglichst oft etwas Neues beginnen, sondern ein Projekt richtig in die Tiefe treiben. Dazu brachte er sein Originalsofa ins Filmforum mit und stellte es mitten auf die Bühne. Nach seinem Vortrag nutzten viele Benutzer diese einzigartige Gelegenheit, ihren persönlichen "Blickableiter" auf dem berühmten Roten Sofa zu inszenieren.

Königliche Geschichten und Präsentationen

Am Abend kam der erste König auf die Bühne: Ralf König, begnadeter (Comic-)Zeichner und der König der Geschichtenerzähler. Photoshop ist ihm fremd und überhaupt scheut er möglichst die Tastatur (einige anwesende Digital Natives nahmen es mit ungläubigem Staunen zur Kenntnis). Zeichnen erlebt er immer noch als sinnliche Tätigkeit, mit Papier, Stift, Schere und Fotoleim. Er rahmte seine Ausführungen mit höchst unterhaltsamen Kostproben aus seinen Comics ein, die vielen Besuchern Lachtränen in die Augen trieben.

"Der König ist Kunde." Einer der Höhepunkte des Forums war sicherlich der gemeinsame Vortrag von Julian Zimmermann und König Bansah, dem zweiten König des Abends.
Zum einen stand dort ein junger Hochschulabsolvent vor vollem Saal und begann seinen Vortrag mit einer Lässigkeit, die die Besucher erstaunen ließ. Immerhin legte er eine Routine an den Tag, die man eher von alten Vortrags-Hasen kennt, war dabei aber absolut authentisch, menschlich und mit vollem Herzen engagiert und involviert.
Zum anderen kam ein in Gold gekleideter echter (!) König auf die Bühne und die beiden referierten über ein gemeinsames Projekt, das Julian Zimmermann als Abschlussarbeit gemacht hatte: ein Corporate Design für einen nicht ganz so gewöhnlichen König, grafisch eine Augenweide – alles von Julian Zimmermann entwickelt, gestaltet und präsentiert. Und ein exzellentes Beispiel dafür, dass Mediendesign-Studierende bei der Wahl ihres Bachelor-Themas durchaus weit über den Tellerrand schauen sollten.
Zum Abschluss des Abends gab es Autogramme von König Bansah und 120 Flaschen königliches Akosombo-Bier, das innerhalb weniger Minuten restlos ausverkauft war. Die Erlöse gehen an ein Schulprojekt des Königs in Ghana, welches auch von der RFH mit einer Sachspende unterstützt wurde.


Visuelle und kreative Delikatessen

Den ganzen Tag über gab es im Foyer – wie jedes Jahr Anfang November – eine ständige Ausstellung von gestalterischen Arbeiten und kreativen Projektergebnissen aus dem Studiengang Mediendesign zu sehen.

"In diesem Jahr haben die Studierenden aus dem 3. und 4. Semester durch ihre kreative, exzellente Arbeit und ihr sehr hohes Engagement das bereits sehr hohe Niveau des Forums nochmals steigern können. Grund dafür ist sicherlich die perfekte Verbindung von Studieninhalten und professioneller Praxis gepaart mit hoher Eigenverantwortung", würdigte Prof. Martin Teschner die Eigenleistung der Studiengruppen. "Ziel der Veranstaltung ist es, den Besuchern den Blick zu erweitern, sie zu inspirieren und in ihren Köpfen unverwechselbare Bilder zu hinterlassen – echte Blickableiter eben."
Auch das abschließende Gruppenfoto der beteiligten Studierenden und Dozenten wurde zum Blickableiter – mit rotem Sofa und König Bansah.
 
"Inspirierend und immer wieder Orientierung gebend", resümierte Studiengangsleiter Prof. Dr. Stefan Ludwigs das Forum. "So kompakt und eindringlich erlebt man echten, anwendbaren Wissenstransfer selten. Und nach dem Motto: ‚Nach dem Spiel ist vor dem Spiel', fangen wir jetzt schon an, in Richtung November 2012 zu denken."

Wissenschaft und Praxis

Studieren im Dialog von Theorie und Praxis ist kennzeichnend für den Bachelor-Studiengang "Media Design" der Rheinischen Fachhochschule in Köln.

Mediendesign wird sowohl als Vollzeit-Studiengang (Regelstudienzeit 6 Semester) als auch in berufsbegleitender Form (Regelstudienzeit 7 Semester) angeboten.