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22.11.2012

Marc Tüngler: „Ethik & Nachhaltigkeit an den Kapitalmärkten“

Am 21. November 2012 war Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer Deutschlands größter Anlegervereinigung, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW), Düsseldorf, zu Gast an der RFH und sprach zum Thema „Ethik und Nachhaltigkeit an den Kapitalmärkten – Widerspruch zur Gewinnorientierung oder Voraussetzung für langfristigen Erfolg?“.

In seinem Vortrag stellte Herr Tüngler zunächst fest, dass das Thema Nachhaltigkeit seit einigen Jahren von nahezu allen Teilnehmern am Kapitalmarkt aufgenommen und betont werde. Oftmals sei aber leider auch zu erkennen, dass die Betonung dabei mehr auf der Kommunikation des Themas Nachhaltigkeit beruhe, als dass dieses auch tatsächlich gelebt werde. Am Ende des Tages werde auf Unternehmens- wie auch Investorenseite immer die Frage zu stellen sein, ob und in welchem Umfang man bereit ist, die Mehrkosten für ein nachhaltiges Agieren zu tragen.

Dass man das Thema Nachhaltigkeit heutzutage aber nicht mehr ignorieren könne, stellte Herr Tüngler anschaulich an einem „magischen Dreieck“ aus Ökologie, Ökonomie und Soziales dar. In diesem Spannungsfeld hätten sich Unternehmen und auch die Entscheider in den Unternehmen zu bewegen, wobei zugleich ein sachgerechter, langfristiger Ausgleich zu finden sei. Nur wenn dies langfristig gelinge, könne ein Unternehmen heute und auch in Zukunft erfolgreich agieren.

Herr Tüngler skizzierte dennoch ein insgesamt positives Bild nicht nur von der Wahrnehmung, sondern auch von der Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit in den deutschen Unternehmen. Der Wandel zeige sich auch beim Thema Vorstandsvergütung, auch wenn verschiedentlich noch grobe Exzesse festzustellen seien. Diese wertet er jedoch eher als Ausnahme. Dennoch seien es vielleicht gerade diese wenigen Ausnahmen, die nunmehr dazu führen, dass immer mehr strengere Regeln aufgestellt und neue Gesetze, nicht nur in Bezug auf die Vorstandsvergütung, ins Leben gerufen werden.

Nach Ansicht des Referenten ist bei allen neuen Regularien aber immer darauf zu achten, dass unser Wirtschaftssystem, fußend auf einer gesunden Korrespondenz von Freiheit und Verantwortung, nicht aus den Fugen gehoben wird. Übereinstimmend mit unserem Bundespräsidenten Joachim Gauck stellte Herr Tüngler fest, dass das Gewinnstreben an sich eben nicht unanständig sei, gefährlich werde erst die blanke Gier, das Mehrwollen um jeden Preis, wie es oft bei dem einen oder anderen Banker zu erkennen gewesen sei. Insofern appellierte Herr Tüngler bei aller Betonung des Freiheitsgedankens auch an die Verantwortung jedes Einzelnen, die bei allen Entscheidungen bewusst gelebt werden muss, weil ansonsten die Voraussetzungen zerstört würden, dass wir alle in Freiheit leben können.

Herr Tüngler unterstrich, dass die bisherigen und auch die zukünftigen Regularien, z. B. hinsichtlich der Vorstandsvergütung, immer nur als Leitplanken dienen sollten. Konkrete Vorgaben, wie gesetzliche Höchstgrenzen bei der Managervergütung, sieht er nicht als das richtige Mittel an. Wenn, dann sollten derartige Grenzen von den Eigentümern und damit den Aktionären der börsennotierten Aktiengesellschaften über die Hauptversammlung vorgegeben werden. Die Möglichkeiten hierzu bestünden aber – entgegen der weit verbreiteten Meinung – schon heute, so dass er neue gesetzliche Regeln in diesem Bereich eher skeptisch sieht.

Abschließend erläuterte Herr Tüngler an einzelnen Beispielen, wie z. B. der BASF oder der Deutschen Bank, wie das Thema Nachhaltigkeit von den Unternehmen nicht nur proklamiert, sondern auch umgesetzt wird. Insbesondere am Beispiel BASF machte er deutlich, wie das Thema Nachhaltigkeit die Finanzkennzahlen bzw. das Finanzreporting beeinflusst, nachdem sich neuerdings sogar die gesamte Unternehmensstrategie an diesem für BASF so wichtigen Thema orientiert. Diese Neuausrichtung habe sogar dazu geführt, dass der Finanzbericht und der Nachhaltigkeitsbericht bei dem Chemieunternehmen zu einem einzigen Werk verschmelzen.

 

Der Vortrag fand im Rahmen der Ringvorlesung "Welche Werte teilen wir?" statt, die vom Forschungscluster Ethik & Nachhaltigkeit organisiert wird.

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