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01.03.2012

Von der RFH in die eigene Kommunikationsagentur

Die Selbstständigkeit ist wie so viele Dinge im Leben ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bietet sie Freiheit und das gute Gefühl zu wissen, wofür man jeden Morgen aufsteht - nämlich für sich selbst. Auf der anderen Seite spürt man schnell, dass man keiner gewöhnlichen Nine-to-five-Beschäftigung nachgeht, die auf 5 Tage in der Woche beschränkt ist. Vielmehr wird einem schnell klar, dass man eigentlich permanent mit dem Kopf bei seiner Arbeit ist. Nach Abschluss meines Studiums in Medienwirtschaft an der RFH Köln habe ich Anfang 2011 mit meinem Kommilitonen Stefan Klein den Schritt in die Selbständigkeit gewagt.

Von Daniel Goihl

Schon während des Studiums bekamen wir die Chance, Unternehmen in puncto „Medien & Co.“ zu beraten. Wie das? Mit Studentenjobs im Medienbereich und einem sauber geführten Xing-Profil kamen die Firmen fast von allein auf uns zu.

Schnell kam uns der Gedanke, dass die Selbständigkeit nach dem Abschluss der nächste logische Schritt sei und die Sozialen Medien, unsere Kernkompetenz, erlebten zu dieser Zeit ihren Höhepunkt. Doch mehr dazu in Teil 2.

Wer sich für die Selbständigkeit entscheidet, steht anfangs für gewöhnlich vor dem Nichts. Zwar weiß man theoretisch, wie eine Firmengründung vonstattengeht, wie Akquise funktioniert und in welchen Angelegenheiten das Finanzamt ins Spielfeld rückt. Doch in der Praxis läuft nicht immer alles so glatt. Ehrlich gesagt hatte ich zu Beginn wirklich das Gefühl, dass die zuständigen Behörden Neugründern alle nur möglichen Steine in den Weg legen. Vielleicht steckt hinter den anfänglichen Strapazen, die man durchläuft, auch ein Stückweit Absicht - eine Art Testlauf sozusagen, ob man es mit der Selbständigkeit auch tatsächlich ernst meint. Wie auch immer - da muss man durch.

Auf die Hilfe unserer ehemaligen Dozenten konnten und können wir uns immer verlassen. Sie sind nach wie vor für uns erreichbar und beantworten uns knifflige Fragen - sowohl in rechtlichen als auch wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die Möglichkeit, die Unterstützung erfahrener Menschen zu suchen, sollte man unbedingt nutzen, solange es geht.

Zudem hatten wir das Glück, mit Stephan Schoenen, ebenfalls ehemaliger RFH-Student, und Tim Hufermann von JUNGMUT Partner gefunden zu haben, die uns an die Hand nahmen. Sie selbst hatten ihre Agentur 2007 gegründet, Stefan und ich taten es ihnen Anfang 2011 gleich und riefen JUNGMUT Social ins Leben.

Nach rund einem Jahr in der Selbstständigkeit kann man folgende Frage stellen: Hat sich der Schritt gelohnt?

Ich sage Ja. Wir haben tolle Menschen getroffen, ein starkes Team aufgebaut, abwechslungsreiche Kunden gewinnen können und sind noch lange nicht am Ziel. Es bleibt auch weiterhin spannend, Woche für Woche. Jedem Absolventen, der bereit ist, das Risiko einzugehen und die Energie aufzubringen, kann ich nur raten, diesen Schritt zu wagen, denn es lohnt sich in vielerlei Hinsicht.

Aller Anfang ist schwer. Hinzu kommt noch, dass junge Gesichter auf viele Kunden eine gewisse Unerfahrenheit ausstrahlen - auch wenn wir über das entsprechende Know-how und genügend Expertise verfügen. So kommt es nicht selten vor, dass sich Unternehmen bevorzugt etablierte Agenturen suchen, die schon mehr Jahre auf dem Buckel haben, obwohl die Qualität der Arbeit nicht abweicht.

In Teil 2 geht es um die Entwicklung der Sozialen Medien hinsichtlich ihres heutigen Stands und welchen Aufgaben sich die Absolventen von morgen stellen müssen.


Social Media: Der Hype ist vorbei

Als wir Anfang 2011 unsere Agentur gründeten, haftete dem Begriff Social Media noch etwas Revolutionäres an. Facebook, Twitter, YouTube und alle anderen zum Prisma sozialer Netzwerke gehörenden Plattformen waren in aller Munde. Doch angesichts seiner Allgegenwärtigkeit ist das Social Web heute, Anfang 2012, nun auch kein richtiger Hype mehr, sondern auf dem besten Wege, auf eine Stufe mit klassischen Medien gestellt zu werden. Und wer heute nicht zumindest auf Facebook aktiv ist, lebt doch irgendwie hinter’m Mond.

Von Daniel Goihl, Vivian Schareina, Andreas Peters

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Was zunächst nur wie eine digitale Erweiterung zur Vernetzung sozialer Kontakte anmutete, ist heute weit mehr als das. Längst haben Unternehmen die Chancen und Möglichkeiten der sozialen Netzwerke für sich entdeckt. Viele Branchen nutzen Facebook & Co. als einen zusätzlichen Kommunikationskanal. Wo zuvor die hauseigene Website als Repräsentanz des Geschäfts im Internet diente, übernehmen heute das Profil auf Facebook oder Twitter Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit - auch Service-Center werden entlastet. Aus Konsumenten- und Nutzersicht ist es sinnvoller und einfacher, Fan eines Unternehmens auf Facebook zu werden oder diesem bei Twitter zu folgen, um permanent mit aktuellen Infos und News versorgt zu werden, als den nächsten Newsletter zu abonnieren oder regelmäßig die Website zu besuchen.

Der Social-Media-Hype trug Früchte und schuf neue Berufsbilder und Arbeitsplätze, auch für Absolventen des Bereichs Medienwirtschaft. Social-Media-Agenturen sind längst keine Exoten mehr. Doch nun, da sich der Nebel etwas lichtet und der Hype sich langsam in eine Normalität verkehrt, stellt sich die Frage, wie Unternehmen mit Social Media gewinnorientierte Ziele verfolgen können und wer ihnen dabei hilft.

Ist es sinnvoller, den Fokus auf eine einzige Plattform wie z. B. Facebook zu legen und hier einen aktiven Kontakt zu den Fans aufzubauen? Oder sollte man sich beim Einsatz von Social Media eher darauf konzentrieren, möglichst viele Kanäle zu nutzen, um die Botschaften breiter zu streuen?

#Wie ist der Stand heute?
Der Hype ist vorbei. Oder vielmehr: Das Konzept und die Begriffichkeit dessen, was man jahrelang als Social Media bezeichnet hat, gehen Stück für Stück in die alltägliche Kommunikation von Menschen und Marken über und hinterlassen die eine, bohrende Frage: Was nun?

#Wie kam es dazu?
Vor einigen Jahren war Social Media das, was das Internet Mitte/Ende der 90er war - ein Hype, auf den man als Unternehmen dringend aufspringen musste, um nicht als antiquiert zu gelten. Unternehmen fühlten sich gezwungen, irgendwie mitzumachen, auch wenn so etwas wie eine Strategie oder ein Plan nur schwer erkennbar war. Auf dem Nährboden dieser Unwissenheit und im Rausch dieser vorherrschenden Goldgräberstimmung konnten sich jene Ansammlungen von Experten (Social-Media-Agenturen) überhaupt erst entwickeln. Unter ihrer Mithilfe entstanden Facebook-Pages, Twitter-Accounts und Gewinnspiele noch und nöcher. Und nun, da auch das letzte Unternehmen eine eigene Facebook-Seite hat und Tweets an eine Handvoll Follower richtet, macht sich Katerstimmung breit. Denn die Party ist vorbei, der Rausch hält nicht mehr länger an.

#Social Media wird ubiquitär
Social Media ist tot und das, was Social Media ausmachte, legt sich wie ein "Social Layer" über diese Welt. Eine ganzheitliche Vernetzung, die nach kreativen Lösungen verlangt, ist der nächste, ultimative Schritt. Twitter und Facebook sind nur Kanäle, die mittlerweile jeder zu nutzen versteht und wie selbstverständlich in den Alltag integriert.

#Wohin mit den Experten?
Angesichts dieser Tatsache und der damit verbundenen, logischen Entwicklung - Unternehmen werden die Pflege der Kanäle selbst in die Hand nehmen, da junge Leute nachrücken, die mindestens so viel Verständnis für die Materie haben wie die selbsternannten Experten - stellt sich die existentielle Frage für alle Social-Media-Menschen: Wohin geht's?

Das Gute daran: Die Antwort darauf ist ebenso einfach wie radikal. Wer es nicht versteht, ganzheitlich zu denken, sich von sozialen Netzwerken löst und die Brand Experience mit verschiedenen, kreativen Ansätzen auf alle Devices, Plattformen und Lebensbereiche ausweitet (ganz im Sinne des "Social Layer"), der wird auf kurz oder lang seinen Hut nehmen müssen.

Wer nicht schnell einsieht, dass Social Media nicht (mehr) der Goldesel ist, der schnell das große Geld auswirft, und stattdessen mit einer Menge Engagement, Leidenschaft und vor allem Aktivität in und mit den digitalen Medien innerhalb des Social Layer umgeht, wird schnell von denen ersetzt, die eben diese Eigenschaften mit sich bringen. Es geht um Ideen, Austausch und in gewissem Maße auch um eine Prise „Weltveränderungswillen“ und das Verständnis dafür, dass wir an einer Schwelle stehen, hinter der sich Großes verbirgt.

#Wie sich Social-Media-Agenturen und Strategen ausrichten sollten
Das, was viele Agenturen heute noch tun, nämlich die Communitypflege der Marken zu führen, wird in Zukunft firmenintern geregelt. Das ist sinnvoll, denn hier können interne Strukturen direkt zusammenlaufen, authentisch und schnell kommuniziert werden, Wissen gebündelt und direkt zur Zielgruppe gesprochen werden. Agenturen und Strategen sollten ganzheitlich beratend agieren und die Verantwortlichen an die Hand nehmen. Denn schnell droht die berühmte Unternehmensbrille auch die noch frischen Social-Media-Manager zu befallen. Das Credo sollte lauten: „Über soziale Netzwerke hinaus das gesamte Unternehmen betrachten und dieses etwas sozialer und transparenter ausrichten.“
Die Zukunft sind Agenturmodelle, die eben über die Social-Media-Grenzen hinaus denken, die kreativ vernetzen und nicht von Gewinnspiel zu Gewinnspiel denken, um Follower um Follower zu generieren. Das alte Modell und die Denke werden dort landen, wo sie hingehören: auf den Friedhof verquerer Konzepte, die mal für richtig gehalten wurden.

#Ein Appell
Als Studenten der RFH seid IHR die Strategen und Kommunikationsexperten der Zukunft - vergesst die Engstirnigkeit, die Social Media bisher häufig implizierte! Eure Aufgabe wird es sein, Unternehmen neu auszurichten, ihnen den Social Layer überzustülpen und sie am Beispiel neuer Start-Ups zu orientieren, die dieses Soziale schon in der Produktentwicklung, aber auch über die Beta-Phase hinaus verinnerlicht haben.
Doch dazu müsst ihr wissen, was passiert, welche neuen Entwicklungen es gibt, sie nutzen, screenen, euch vernetzen und das leben, was ihr euren Kunden/Arbeitgebern anbieten wollt. Wer nicht bereit ist Entwicklungen mitzugehen, zu bewerten und Chancen und Potenziale zu erkennen, sie zu lieben und zu verkörpern, der wird seiner Aufgabe und vor allem sich selbst nicht gerecht werden können. Euer Job wird kein Nine-to-five-Job sein, bei dem man die Arbeit im Büro lassen kann, sondern er fordert die selbstverständliche Auseinandersetzung mit dem Thema und dessen Integration in den Alltag. Nur so entstehen auf Dauer kreative und vor allem zukunftsweisende Konzepte, die über einzelne Maßnahmen hinausgehen und etwas bewegen. Nicht weniger sollte euer Anspruch sein.

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Über die Agentur:

JUNGMUT Social wurde Anfang 2011 von Stefan Klein und Daniel Goihl gegründet. Beide studierten an der RFH Köln und machten Anfang 2011 ihr Diplom in Medienwirtschaft. Sie haben sich auf die Fahne geschrieben, traditionelle Kommunikationsmuster mit digitalen Medien zu verbinden. Mehr Infos und interessante Blog-Artikel finden Sie unter:

www.jungmutsocial.de

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