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17.10.2012

Der Wert und Preis von Sicherheit

Prof. Dr. Markus Bresinsky, Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Sicherheitspolitik, war am vergangenen Mittwoch zu Gast an der RFH. In seinem Vortrag zur Nachhaltigkeit in der Sicherheitspolitik sprach er über nationale und internationale Werte- und Interessenskonflikte, warnte vor den Folgen eingefahrener, veralteter Denkmuster und appellierte an junge Menschen, sich zu informieren, zu diskutieren und zu kritisieren.

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Nach einer Begrüßung durch den Vizepräsidenten des Fachbereichs Wirtschaft & Recht, Prof. Dr. Müller-Wiegand, stellte Prof. Dr. Martin Gertler zunächst als Einleitung in das Thema das TLS-Modell von Cavagnaro und Curiel vor*, dann erhielt der Gastredner das Wort.

Wie schaffen wir Sicherheit in der Welt?

Über die Herausforderung, Regeln zur Schaffung und Wahrung von Sicherheit zu definieren, sprach Bresinsky im ersten Teil seines Vortrags. Mit Blick auf die Terroranschläge 1972 und 2001 machte er darauf aufmerksam, wie verheerend es ist, wenn Sicherheitskonzepte veralten, und hielt den Zuhörern schmunzelnd vor Augen, dass sicherheitspolitische Entscheidungen durchaus unmittelbare Folgen für den Einzelnen in Deutschland haben können, so etwa die Verteuerung der fränkischen Bratwurst aufgrund der verschlechterten Handelsbeziehungen zum Schafsdarmlieferanten Iran.

 

Werte- und Interessenskonflikte

Mit konkreten Beispielen aus dem In- und Ausland, immer wieder mit den Zuhörern interagierend, demonstrierte er, wie Werte- und Interessenskonflikte entstehen, wie ein Grundrecht zugunsten eines anderen außer Kraft gesetzt wird und wie problematisch es ist, eine Legitimierung für die Außerkraftsetzung zu finden, klar zu formulieren und in der Praxis anzuwenden.

Auf welche Weise Sicherheit in Deutschland in Widerspruch zu den Werten Freiheit, Effizienz und Gleichheit gerät, zeigte Bresinsky an den Beispielen Bundestrojaner (massiver Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Bürger), Oktoberfest (erhöhte Polizeipräsenz nach Anschlagsdrohungen vor einigen Jahren, hohe Kosten, aber keine Sicherheitsgarantie), Schweingrippe 2009 (besserer Impfstoff für Beamte).

Dies lasse die Frage aufkommen: Muss eine offene und freie Gesellschaft in bestimmten Bereichen nicht auf Sicherheit verzichten, um weiterhin offen und frei zu bleiben?

 

Nachhaltigkeit des Afghanistaneinsatzes

Einen bitteren Nachgeschmack hinterließen schließlich die Einblicke in unsere Asyl- und Außenpolitik: Bresinsky kritisierte das fatale Zusammenspiel von "Comprehensive Approach" in Afghanistan, dem geplanten Abzug der Bundeswehr 2014 und der Abschiebung afghanischer Flüchtlinge.
   
„Wir müssen uns“, so der Referent im abschließenden Ausblick, „klar darüber werden, welche Werte Sicherheit berührt und was sie uns wert ist". Die Diskussion müsse in erster Linie von jungen Leuten geführt werden. Es sei an ihnen, die Legitimität von Entscheidungen der Älteren infrage zu stellen.

 

Der Vortrag von Prof. Bresinsky fand im Rahmen der fachübergreifenden Ringvorlesung "Welche Werte teilen wir?" statt, die vom Forschungscluster "Ethik und Nachhaltigkeit" organisiert wird. Am 21. November referiert Marc Tüngler von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz e. V. zum Thema "Ethik & Nachhaltigkeit an den Kapitalmärkten – Widerspruch zu Gewinnorientierung oder Voraussetzung für langfristigen Erfolg?".

 


*Elena Cavagnaro, George Curiel (2011). Three Levels of Sustainability, Sheffield: Greenleaf.

 

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