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05.12.2013

Digitale Transformation: Bericht zur Tagung der Fachgruppe Medienökonomie der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikation

Als Vertreter der RFH-Professoren der Forschungscluster „Digitale Transformation in der Medienwirtschaft“ und „Mediennutzungsverhalten“ des Fachbereichs Medien fasst Prof. Dr. Tibor Kliment die wichtigsten Ergebnisse einer Fachtagung zusammen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikation (DGPuK) ist die größte Vereinigung der Kommunikationswissenschaftler in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die in der Gesellschaft vertretenen Medienökonomen trafen sich zu einer Fachgruppentagung vom 15. bis zum 16. November 2013 an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg/Salzgitter. In über 20 Fachvorträgen setzte man sich mit aktuellen Fragestellungen der Medienwirtschaft auseinander. Diskutiert wurden neue Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle in digitalen und materiellen Produktionskontexten, wie sie in den alten klassischen Medienbranchen, wie z. B. der Presse und Buchwirtschaft, nach wie vor dominierend sind.

Themen der Tagung waren die folgenden Fragestellungen: Inwieweit taugt „Free“, insbesondere beobachtbar im Computerspiele-Bereich, als neues Paradigma von Geschäftsmodellen? Eine Studie von Prof. Müller-Lietzkow wies nach, dass diese Geschäftsmodelle langfristig funktionieren können, sofern das Nutzervertrauen gestützt und die Transaktionskosten reduziert werden können. Eine Untersuchung aus dem Pressebereich zeigte, dass Konvergenzprozesse im Zuge der Zusammenlegung von Online- und Printredaktionen für die Kostenstruktur und redaktionelle Qualität von Medienprodukten positive Wirkungen haben können. Das Medienmanagement könne dabei, so der Tenor eines weiteren Vortrags, im Kontext veränderter Produktionsprozesse, kürzerer Innovationszyklen und veränderter Kundenerwartungen auf Qualitätskonzepte zurückgreifen, wie sie beispielsweise in den Ingenieurwissenschaften angewandt werden.

Zum Thema Pressekonzentration im Kontext stagnierender Auflagen und nachlassender Anzeigenbuchungen konnte eine stark beachtete, international vergleichend angelegte Untersuchung nachweisen, dass staatliche Fördermaßnahmen im Pressesektor, wie sie in zahlreichen europäischen Ländern zu beobachten sind, Konzentrationsprozesse im Markt nicht signifikant abbauen können. Vor dem Hintergrund zunehmender Konvergenzprozesse zwischen alten und neuen Medien wurde in einem weiteren Vortrag kritisch hinterfragt, ob die traditionelle Unterscheidung der Medien nach Gattungen und Trägermedien in einer entmaterialisierten Medienwelt noch Sinn macht oder ob relevantere Unterscheidungsmerkmale herausgearbeitet werden können. Dabei könnten, so der Vorschlag zweier Wissenschaftler, Serialität und Inhalte des Medienangebots als entscheidende Kriterien fungieren. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts in Karlsruhe analysierten, dass spezifische Content-Technologien, wie automatisier- und maschinenlesbare Volltext- und Metadaten bei der Zurverfügungstellung von Mediatheken erhebliche Wertbeiträge leisten können. Insbesondere auf der Kostenseite seien gegenüber manuellen Bearbeitungsprozessen Einsparungen von bis zu 40 % realisierbar.

Ein weiterer Vortrag ging das noch sehr neue Themenfeld mit der Frage an, ob sich die heutige Media- und Publikumsforschung dahingehend erweitern lässt, dass die Anschlusskommunikation von herausragenden Events in Online-Social-Networks aufgegriffen und elektronisch analysiert wird. Dies wurde in einer empirischen Studie am Beispiel der Kommunikation im Umfeld der Übertragung von Fußballspielen versucht. Ebenfalls die Nutzer im Blick hatte eine interessante empirische Studie, die neue Filesharing-Dienste wie Spotify als „entmaterialisierte“ Konsumtionsform von Musik ins Visier nahm. Diese Dienste stellen nicht nur Musik in großen Mengen zeitlich unbegrenzt zur Verfügung. Sie bewirken darüber hinaus auch dahingehend eine Veränderung des Nutzerverhaltens, dass die Nutzer neben dem Musikkonsum diese Angebote als elementares Instrument zur Anbahnung, Orientierung und Gestaltung ihrer eigenen sozialen Beziehungen nutzen.

Die kontrovers diskutierten Beiträge lieferten differenziertere Antworten als hier wiedergegeben werden kann. Zudem eröffnete die Tagung neue Perspektiven und Fragestellungen für die medienökonomische Forschung. Für den an weitergehenden Informationen interessierten Leser wird in etwa einem Jahr ein umfangreicher Tagungsband erhältlich sein.

 

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