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20.05.2014

Schülerrückgang, Nachwuchslücken, Generationenkonflikte: Herausforderung demografischer Wandel im Bergischen Land

35 Unternehmen aus der Bergischen Region waren am 8. Mai 2014 der Einladung zum Wirtschaftssymposium in Wermelskirchen gefolgt, um zusammen mit Vertretern aus Lehre und Wissenschaft über die Herausforderungen des demografischen Wandels und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

30 Prozent Schülerrückgang bis 2025: So lautet die Prognose der Agentur biregio für den Oberbergischen Kreis. Sylvia Wimmershoff, Leiterin des Berufskollegs Bergisch Land und erste Referentin des Symposiums, erlebt die Folgen des Rückgangs bereits jetzt. Vielerorts diskutiere man über die Schließung von Schulen und plane, Berufskollegs zusammenzulegen. In ihrem Vortrag „Zur Lage der Region“ machte sie deutlich, welche gravierenden Veränderung dem Bergischen Land bevorstehen: „Weniger Schüler bedeuten langfristig weniger Auszubildende, Arbeitnehmer, Steuerzahler, Konsumenten, Nutzer von Kultureinrichtungen und öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Damit drohe wiederum die Attraktivität als Wohnregion abzunehmen, wodurch es für die ansässigen Unternehmen letztlich noch schwerer werden dürfte, junge Nachwuchskräfte zu finden. Selbst im Bergischen Land geboren und aufgewachsen, kennt die Schulleiterin die Stärken und Schwächen Region, die sie den Zuhörern anschaulich darlegte.

Prof. Dr. Beate Gleitsmann, Professorin an der RFH Köln und Expertin in den Bereichen Marktforschung und Personalmarketing, richtete den Blick anschließend auf aktuelle Marktentwicklungen und erklärte, welche Herausforderungen sich im Zuge des demografischen Wandels für Mitarbeiter und Unternehmen ergeben. Mit Verweis auf die demografischen Erhebungen und Prognosen der Vereinten Nationen führte sie dem Publikum vor Augen, dass Bevölkerungsrückgang und -alterung nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit im Gange sind.

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Die damit einhergehende Veränderung der Altersstruktur in Unternehmen habe durchaus positive Aspekte, vor allem auf der Seite des Marktes: „Im Jahr 2050 wird jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein. Das bedeutet auch: Jeder dritte Kunde wird über 60 sein – und der möchte vermutlich lieber von jemandem seiner Altersklasse beraten werden.“ Zu bedenken sei weiterhin, dass mit steigendem Alter zwar die mechanische Intelligenz und damit Kompetenzen wie körperliche Leistungsfähigkeit, geistige Beweglichkeit und Reaktionsgeschwindigkeit abnähmen, die pragmatische Intelligenz mit zunehmender Lebenserfahrung jedoch erhalten bleibe oder gar steige, hierzu gehören etwa berufsspezifisches Wissen, Urteilsvermögen, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit.

Schließlich gab die Wissenschaftlerin den anwesenden Unternehmen einige handfeste Lösungsstrategien mit auf den Weg:

 

Um Shared Services und die Frage, wie viel Auslagerungs- und Zentralisierungspotenzial im deutschen Mittelstand steckt, ging es im dritten Beitrag von Prof. Dr. Andreas Fries von der RFH Köln. Eine Auslagerung einzelner Geschäftsprozesse – beispielsweise im Bereich Finanzen, Einkauf oder IT – könne angesichts des erwarteten Fachkräftemangels auch für den Mittelstand interessant werden. Eine Shared-Service-Lösung habe vor allem den Vorteil, dass sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und seine Ressourcen flexibler einsetzen kann, erklärte der Referent. Anschließend hatten die anwesenden Unternehmenden die Gelegenheit, ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen zum Thema Shared Services einzubringen.

Dennis Dreibrodt und Sven Hartmann, Geschäftsführer der abas GmbH in Köln, beraten mittelständische Unternehmen im Bereich Prozesse und IT. In ihrem Vortrag boten sie Einsichten in ihren Praxisalltag, in dem sie regelmäßig auf Generationskonflikte stoßen. Während in der älteren Generation Struktur, Ortsgebundenheit, Vorgaben, Konkurrenz und Handwerk stark verankert seien, zeichne sich die junge Generation durch den Wunsch nach Flexibilität, Mobilität, Selbstbestimmung und Kooperation sowie Technologieaffinität aus. Die Sicherung von Prozess- und Produktwissen gestalte sich oftmals schwierig: „Wir machen häufig die Erfahrung, dass gerade ältere Mitarbeiter uns Externen mit Misstrauen begegnen. Sie wissen um den Wert ihres Wissens und wollen es nur ungern teilen“, berichtete Dennis Dreibrodt und betonte im Fazit, wie wichtig es sei, eine Unternehmenskultur zu entwickeln, in der die verschiedenen Generationen effektiv zusammenarbeiten können. Seine Firma, die noch überwiegend aus jungen Mitarbeitern besteht, ist derzeit auf der Suche nach Senior-Beratern im Alter 40+.

 

Bilderrückblick

Das Wirtschaftssymposium ist eine gemeinsame Veranstaltung der Rheinischen Fachhochschule Köln, des Berufskollegs Bergisch Land und der Stadt Wermelskirchen. Regionale Herausforderungen sollen hier wissenschaftlich aufbereitet und Lösungsvorschläge unterbreitet werden, die anschließend zusammen mit der Wirtschaft reflektiert werden. Dabei ist es auch ausdrücklich als Forum des bergischen Unternehmers gedacht.

Ein Tagungsband zum diesjährigen Symposium erscheint in Kürze in PDF-Form. Interessenten melden sich bitte per Mail bei Studiengangsleiter Johannes Berens.

 

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