Startseite »  Aktuelles »  Meldungen »  2014 »  Unbewusst gesund?
 
 

04.03.2014

Unbewusst gesund?

Mediengestützte Aufklärungsarbeit im Fokus

Smartphones_Madchen_230.jpg

Social Media oder auch das „Web 2.0“ sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Vor allem Jugendliche gehen ganz selbstverständlich damit um, pflegen hier ihre sozialen Kontakte und informieren sich größtenteils übers Netz. Auch erfahren sie über die inzwischen weit verbreiteten Medien allgemein anerkannte gesellschaftliche Werte und kultivieren diese beispielsweise über Games, Apps oder Videos. Traditionelle Anbieter von Informationen, wie etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), müssen sich langfristig auf diese Entwicklung einstellen und die Jugendlichen in ihrer Erlebniswelt abholen. Hieraus ergeben sich einige Risiken, aber auch viele Chancen und Fragen.

Wie können sich Gesundheitskampagnen, die Kinder und Jugendliche adressieren, das veränderte Sozialverhalten zunutze machen? Wie können bereits erlernte schädliche Gewohnheiten wieder geändert und Jugendliche zu einem gesundheitsbewussten Verhalten über die neuen Medien überzeugt werden? Und vor allem: Wie müssen Aufklärungskampagnen gestaltet sein, damit sie bei der Zielgruppe bedarfsgerecht ankommen?

 

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse

Diesem Fragenkomplex widmet sich seit 2010 die Rheinische Fachhochschule Köln (RFH) gemeinsam mit Fachleuten anderer Hochschulen und der BZgA unter anderem im Rahmen der Initiative „Werkstattgespräche mit Hochschulen“. In diesem Jahr rückten die Experten bei einer Tagung in Köln Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften in den Mittelpunkt. Die Neurowissenschaften haben in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren und haben in der wissenschaftlichen Debatte zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Bei unseren täglichen Entscheidungen und in unserem Lernverhalten werden wir Menschen nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern von zwei unterschiedlichen Systemen beeinflusst: vom expliziten und vom impliziten System. Das explizite System wird auch als „Pilot“ bezeichnet. Es arbeitet seriell (Step-by-step), mit ihm denken wir nach, vergleichen Fakten, treffen bewusste Entscheidungen und planen unsere Zukunft. Das zweite implizite System, der „Autopilot“, ist hocheffizient, arbeitet parallel und weitestgehend unbewusst. Es regelt die intuitive Beurteilung komplexer Situationen, verarbeitet Emotionen und sorgt dafür, dass wir manche Handlungen, wie beispielsweise Fahrradfahren irgendwann automatisch ausführen können. Es gilt als gesichert, dass rationale Argumente beim Versuch, schädliches Verhalten zu ändern, kaum weiterhelfen. Letztlich ist der Autopilot entscheidend.

Welche für den Alltag relevanten und wissenschaftlich abgesicherten Ergebnisse lassen sich daraus ableiten? Geben sie Anknüpfungspunkte für Institutionen der gesundheitlichen Aufklärung und lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen Schlussfolgerungen für die Gesundheitskommunikation ziehen?

 

Grundbedürfnisse beachten

Auch Prof. Dr. Stefan Ludwigs von der RFH war bei der Tagung im vergangenen Juli mit einem Vortrag vertreten. Er hob vor allem die Bedeutung psychologischer Grundbedürfnisse von Jugendlichen hervor und betrachtete sie im Zusammenhang mit neurowissenschaftlichen Perspektiven. Er vertritt die These, dass die offensichtliche Wirksamkeit impliziter Reize auf das Verhalten von Jugendlichen bei der Auswahl von Kommunikationskanälen und bei der Gestaltung von Aufklärungskampagnen berücksichtigt werden müssen – wenn diese erfolgreich sein sollen.

Grundlage seiner Überlegungen sind unter anderem die Ergebnisse seiner umfangreichen Effektstudie aus 2012 zur Facebook-Seite der bundesweiten BZgA-Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit“. Diese Studie wurde im Auftrag der BZgA durch die RFH durchgeführt. Sie bestand aus einer Inhaltsanalyse, einem Nutzertest, einer Online-Befragung und einer Fokusgruppe. Die Zusammenfassung von Ludwigs Vortrag im Rahmen der Initiative „Werkstattgespräche mit Hochschulen“ wird in einer Publikation der BZgA-Fachheftreihe „Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung“ 2014 erscheinen.

 

Austausch und Weiterentwicklung

Die Werkstattgespräche verfolgen neben einer ergebnisoffenen Beratung über wechselnde Themen insbesondere auch das Ziel eines intensiven Dialogs zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sollen Impulse für die Weiterentwicklung von Gesundheitsprävention und Gesundheitsförderung geben.

 

Dieser Artikel ist erschienen in:
„Kultur & Kreativität: Lebendige Forschung an Fachhochschulen in NRW – Neue Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft“, hg. v. Projekt „Lebendige Forschung an Fachhochschulen in NRW", Januar 2014:

Kultur & Kreativität.pdf

 

Sie haben Fragen zum Studium an der RFH Köln? Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder eine E-Mail.

Hier klicken

Wenige Schritte zu Ihrer Bewerbung

Hier klicken