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08.01.2015

„Sehen, Denken, Lernen in Museen“

So lautete der Titel einer Tagung, die am 28. und 29.11.2014 im Deutschen Museum München stattfand und gemeinsam mit der Technischen Universität München, der Leibniz-Wissensgesellschaft und dem Deutschen Museum veranstaltet wurde.

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Ziel der Veranstaltung war eine Diskussion zur Frage, wie Lernprozesse von Schülern an außerschulischen Lernorten – hier speziell in Museen aus den Bereichen Naturwissenschaft, Technik, Kunst und Geschichte – empirisch zu beschreiben sind und praktisch angeleitet werden können.

Museen fungieren heute als Plattform zwischen Gesellschaft und Fachwissenschaft. Mit geschätzt jährlich 100 Mio. Besuchern bilden sie für viele Bürger eine wichtige Quelle der Vermittlung kultureller, technischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei ist es eine besondere Aufgabe, Jugendliche an entsprechende Themenfelder heranzuführen und sie zu begeistern. Dies gilt für die Kultur und Geschichte, insbesondere aber auch für die Technik und Naturwissenschaften.

Die geeignete Darstellung und Vermittlung komplexer Sachverhalte ist eine zunehmende Herausforderung an eine sachgerechte Kommunikation: Wie lassen sich mehrperspektivische Sachverhalte am besten kommunizieren? Wie werden Neugier und Interesse erzeugt? Inwieweit lernen Jugendliche anders als Erwachsene? In welchem Verhältnis stehen Unterhaltung und Lernen? Welche Funktionen haben neue Medien in diesen Kontexten?

In einer ersten Keynote sprach Prof. Dr. Bernhard Graf (Freie Universität Berlin) über die unverzichtbare Bedeutung der Publikumsforschung im Berliner Kreativ- und Kulturbetrieb. Speziell im Raum Berlin mit seinen zahlreichen Kulturinstitutionen und einem harten Wettbewerb zwischen den Anbietern hilft sie, attraktive Angebote zu entwickeln und sich im Publikum zu positionieren.

Prof. Dr. Annette Scheersoi (Universität Bonn), Dr. Christine Gerbich und Dr. Constanze Hampp (beide Deutsches Museum München) präsentierten ihre empirischen Studien zu der Frage, wie und unter welchen Bedingungen die Lerneffektivität und Motivation bei Jugendlichen gefördert werden kann. Gezielt wurden dabei in den untersuchten Museen einerseits Strategien der Autonomie und eines stärker selbstbestimmten Lernens angewandt, andererseits Modelle mit einer stärkeren Strukturgebung eingesetzt. Zudem sollen diesen Studien zufolge ansprechende Präsentationsformen, wie etwa dreidimensionale Darstellungen und die Einbettung von Exponaten in eine möglichst realitätsnahe Umgebung, die Motivation und Effektivität des Lernens maßgeblich unterstützen.

Mehrere Vorträge von Prof. Dr. Matthias Wilde (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Heinz Reinders (Universität Würzburg) und Prof. Dr. Doris Lewalter (TU München) widmeten sich dem Einfluss kognitivistischer und konstruktivistischer Aspekte auf das situationale Interesse von jugendlichen Besuchern. Dazu wurde eine Reihe von Forschungsergebnissen zur Frage erörtert, unter welchen Bedingungen ein sog. "Catching Interest" bzw. "Holding Interest" bei Jugendlichen erzeugt werden kann.

Speziell im naturwissenschaftlichen Kontext behandelten Vorträge von Prof. Dr. Doris Lewalter (TU München) und Christian Strippel (Ruhr-Universität Bochum) die Frage, inwieweit die Arbeit in Forschungslaboren und der Umgang mit praktischen Experimenten das naturwissenschaftliche Lernen fördern kann.

In einem medienpsychologisch orientierten Vortrag referierte Prof. Dr. Angela Schorr (Universität Siegen) die Ergebnisse einer umfangreichen Befragung von 14- bis 17-jährigen Schülern, in der die schulischen Einflussfaktoren für das Entstehen von Interesse an Informatik sowie den Natur- und Ingenieurwissenschaften kritisch in den Blick genommen wurden.

Prof. Dr. Tibor Kliment von der Rheinischen Fachhochschule Köln präsentierte auf der Tagung die Ergebnisse einer umfangreichen Evaluationsstudie. Ziel dieser Studie war die Analyse von Lerneffekten auf Schüler, die an einem Lern- und Kreativprogramm eines Kölner Kunstmuseums teilgenommen hatten. Dazu wurden rund 500 Schüler aus der Umgebung von Köln in einem quasi-experimentellen Design unter gezielter Variation von bestimmten Einflussfaktoren befragt. Zu diesen Einflussfaktoren gehörten insbesondere der Schultyp (Hauptschule vs. Gymnasium), die Klassenstufe (5., 6., 7. Stufe) sowie der Zeitraum zwischen der Programmteilnahme und der Evaluation (Befragung sofort nach dem Programm, nach einem Jahr bzw. nach zwei Jahren). Die Erhebung geschah in Form von Vorher-Nachher-Befragungen sowie weiteren, reinen Ex-post-Erhebungen. Hinzu kamen qualitative Leitfadeninterviews mit ausgewählten Lehrern der entsprechenden Klassen. Die Studie ergab zahlreiche Befunde, in denen die Lernerfolge der Schüler in Bezug auf das Interesse und Wissen an Kunst und Kultur differenziert nachgehalten und in zeitlicher Hinsicht als durchaus dauerhaft angesehen werden konnten. Besonders effektiv zeigte sich das Programm zudem bei den Hauptschülern sowie den jüngeren Klassenstufen.

Insgesamt dokumentierte die Tagung, welchen differenzierten Stand die empirische Bildungsforschung aus der Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Pädagogik mittlerweile erreicht hat und dass die Forschung mittlerweile hier in der Lage ist, praktische Antworten auf Fragen der geeigneten Vermittlung zu geben.

Ausgewählte Vorträge der Tagung werden demnächst in einem Tagungsband publiziert. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Prof. Dr. Tibor Kliment (kliment@rfh-koeln.de) vom Fachbereich Medien.

 

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