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29.05.2015

Zurück zur Hanseatischen Kaufmannsehre

Deutschlands bekanntester Finanzexperte Dirk Müller war am 20. Mai zu Gast an der RFH Köln. In einem emotionalen Vortrag sprach er unverblümt über die Missstände an der Börse und plädierte für mehr Menschlichkeit und Fairness in der Finanz- und Wirtschaftswelt.

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„Menschen mit tollen Ideen zusammenbringen mit solchen, die Geld haben und investieren wollen: Das war der ursprüngliche, ehrenhafte Sinn der Börse. Heute dient sie primär der Zockerei“, klärte Müller die rund 250 Besucher – überwiegend Studierende der Betriebswirtschaftslehre – auf, die sich am Mittwochmittag in der Wolkenburg eingefunden hatten.

Früher sei der Handel von Angesicht zu Angesicht nach Hanseatischer Kaufmannsehre gelaufen. „Mit seinem Gegenüber wollte man ja auch noch in ein paar Jahren Geschäfte machen. Fairness war für beide Seiten gut.“ Heute laufe alles anonym, die Menschen habe man in der Börse größtenteils durch Computer ersetzt, die von Physikern und Pokerspielern programmiert werden. Es gehe nur noch darum, den anderen über den Tisch zu ziehen. „Innerhalb von wenigen Sekunden werden heute automatisiert millionenfach Transfers gemacht. Aber welchen Sinn macht es, eine Aktie zu kaufen und einen Nanosekunde später wieder zu verkaufen? Das ist doch Wahnsinn!“

 

„Mit Essen spielt man nicht“

Spekulation an der Börse sei nicht grundsätzlich schlecht, stellte Müller klar. In gewissem Maße brauche man sie sogar, weil sie für Liquidität am Markt sorge. Aber die Dosis mache das Gift. Vor allem in puncto Nahrungsmittelspekulation, die zu einer Verschärfung von Hungersnöten führe, stehe die Politik moralisch in der Pflicht, regulierend einzugreifen und reinen Finanzinvestoren den Zugang zu Lebensmittelmärkten zu verbieten. Ob aus Unsicherheit oder Kalkül, bis dato lasse die Politik die Finanzmärkte allerdings zu sehr nach deren eigenen Regeln spielen. Am Beispiel der Deutschen Bank, die für ihre Zinsmanipulationen mit einer Geldstrafe davonkommt, ließ Müller erkennen, dass für die großen Banken offenkundig nicht nur das Satz „too big to fail“, sondern auch „too big to jail“ gilt.

Die vielen aufgeführten Missstände ließen bis kurz vor Ende des Vortrags wohl so manchen im Publikum der Vergangenheit hinterhertrauern und düster aufs Jetzt und in die Zukunft blicken. Es gäbe überhaupt keinen Grund, jetzt depressiv zu werden, munterte Müller die Zuhörer auf. „Wir leben in der besten Zeit, die wir je hatten!“ Er appellierte an die Studierenden, sich zu informieren, für eine faire Gesellschaft einzutreten und die Welt jeden Tag noch ein bisschen besser zu machen. Man könne sehr wohl Geschäftsmann und Weltverbesserer zugleich sein und mit Ehrlichkeit, Anstand und Fairness Erfolg haben.

Auf Nachfrage aus dem Publikum gab es vom Fachmann auch ein paar einfache Anlagetipps: Zunächst einmal Schulden los sein. Zwei bis drei Monatsgehälter auf dem Tageskonto haben. Etwa 10 bis 20 Prozent in Edelmetall investieren, den Rest in Aktien etablierter Unternehmen, die über Krisenzeiten hinweg stark geblieben sind.

 

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