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22.04.2016

10 Fakten zur Energiewende

Dr. Hubertus Bardt, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln lieferte in seinem Vortrag "Wirtschaftliche Folgen der Energiewende – eine Zwischenbilanz 5 Jahre nach Fukushima" auf Basis von Forschungsergebnissen am 18. April in der RFH erfrischend objektive Fakten.

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Die Initiative für die Einladung ging aus vom RFH Europa-Institut für Erfahrungswissen – METIS, Dr. Werner Bruns: „METIS möchte im Zusammenhang mit der Wissens- und Erfahrungsgesellschaft - neben unternehmensnahen Forschungen und Evaluierungen - wichtige wirtschafts- und gesellschaftspolitische Themen der Zeit aufgreifen. Das Thema "Energie" ist ein Querschnittsthema auch für Hochschulen, da es in alle Bereiche der Gesellschaft und Wirtschaft wirkt. Die Rheinische Fachhochschule ist mit ihrer inhaltlichen Ausrichtung, mit ihrem Portfolio, in diesem Kontext sehr gut positioniert, sie bildet zukunftsweisend aus und berührt dabei globale Entwicklungen. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, mit Dr. Hubertus Bardt einen kompetenten und erfahrenen Referenten der Wirtschaft zu gewinnen. Danke auch für die Eröffnungsworte von Matthias Müller-Wiegand, Vizepräsident Wirtschaft & Recht an der RFH.“

10 Fakten zur Energiewende

Seit wann sprechen wir von der Energiewende und was ist der Grund?
Dr. Hubertus Bardt: Der Begriff Energiewende ist populär, seitdem nach der Katastrophe von Fukushima die Abschaltdaten für Kernkraftwerke vorgezogen und einige sofort stillgelegt worden. Die wesentlichen Entscheidungen standen aber schon vorher fest, insbesondere der Ausbau der erneuerbaren Energien.
 
Was sind die Nachteile / Herausforderungen der Energiewende?
Dr. Hubertus Bardt: Es gibt zahlreiche technische Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Vor allem muss das schwankende Angebot mit der Nachfrage in Einklang gebracht und die Kosten begrenzt werden. Die Energiewende ist nur dann ein Erfolg, wenn gezeigt wird, dass ein Stromsystem basierend auf erneuerbaren Energien mit den Anforderungen eines Industrielands im Wettbewerb vereinbar sind.
 
Wie kann man zeigen, dass erneuerbare Energien nicht teurer sein müssen als konventionelle?
Dr. Hubertus Bardt: Am Ende zeigt sich das am Markt: Können erneuerbare Energien das gleichwertige Produkt – eine jederzeit sichere Stromversorgung – zu gleichen oder günstigeren Preisen anbieten? Noch nicht – und auch bei steigenden Preise für CO2-Emissionsrechte für konventionelle Energieträger ist noch ein Weg zu gehen.
 
Was braucht die Energiewende?
Dr. Hubertus Bardt: Wir brauchen Innovationen und Effizienz. Neue Ideen und ein Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Und um hierfür die nötigen Anreize zu setzen, brauchen wir intensiven Wettbewerb – auch innerhalb der Fördersysteme.
 
Die Industrie zahlt keine Abgaben auf Strom: Mythos oder Wahrheit?
Dr. Hubertus Bardt: Eine Reihe Unternehmen zahlt nur deutlich reduzierte Abgaben. Diese Ausnahmen sind notwendig, um energieintensive Produktion im Land halten zu können. Der Anteil der Industrie ist hoch: 6,6 Milliarden Euro sind 2015 von der Industrie für das Erneuerbare Energien-Gesetz gezahlt worden – hinzu kommen Zahlungen der anderen Wirtschaftsbereiche.
 
Wie ist die Preisentwicklung für Strom aus erneuerbaren Energien?
Dr. Hubertus Bardt: Erneuerbare Energien – beispielsweise Strom aus Solarzellen – werden billiger. Aber die Gesamtkosten steigen, weil immer mehr und immer teurer erneuerbare Energien eingesetzt werden.

Was bedeutet die Energiewende für die Industrie?
Dr. Hubertus Bardt: Für die Industrie ist die Energiewende ein Kostenfaktor und Kostenrisiko, aber auch eine Chance für neue Produkte und Dienstleistungen. Noch dominieren aber die Sorgen vor den Kosten.

Was bedeutet die Energiewende für die Privathaushalte?

Dr. Hubertus Bardt: Auch private Haushalte zahlen die volle EEG-Umlage, insgesamt gut 8 Milliarden Euro. Dabei ist die Kostenverteilung für Deutschland sehr untypisch, weil ärmere Haushalte einen rund fünf Mal so hohen Anteil am Einkommen aufbringen müssen als wohlhabende Haushalte.
 
Was ist Ihre größte Erkenntnis seit Sie sich mit dem Thema beschäftigen?
Dr. Hubertus Bardt: Auch fünf Jahre nach Fukushima steht die Energiewende erst am Anfang.
 
Wie sieht die Zwischenbilanz 5 Jahre nach Fukushima aus?
Dr. Hubertus Bardt: Der Wettbericht würde sagen „heiter bis wolkig“. Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht voran, die Integration in das Stromsystem macht Schwierigkeiten und die Kostenlasten und -risiken für industrielle Verbraucher sind hoch.

Dr. Hubertus Bardt ist Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) mit Sitz in Köln und Büros in Berlin, Brüssel und München ist ein arbeitgebernahes Wirtschaftsforschungsinstitut. Es wird von Verbänden und Unternehmen der privaten Wirtschaft finanziert. Das IW erarbeitet Analysen und Stellungnahmen zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik, des Bildungs- und Ausbildungssystems sowie der gesellschaftlichen Entwicklung.

 

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