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23.06.2016

Studierende und Schüler im Dialog mit Flüchtlingen

Etwa 300 Schüler und Schülerinnen sowie Studierende waren am 8. Juni der Einladung der Rheinischen Fachhochschule (RFH) gefolgt, um persönliche Geschichten von Flüchtlingen aus sieben Jahrzehnten zu erleben. Das RFH Europa-Institut für Erfahrung und Management – METIS unter der Leitung von Dr. Werner Bruns hat diese Veranstaltung mit der Katholischen Hochschule (KatHo) und einem Team gestaltet und organisiert. Das Fazit: persönliche Geschichten machen das Thema Flucht erfahrbarer als reine Wissensinformationen. Die RFH dankt allen Flüchtlingen für ihren Mut und ihre Bereitschaft über Ihre Erfahrungen zu sprechen.

Die Aula in der Vogelsanger Straße war bis auf den letzten Platz gefüllt, die überwiegende Zeit der dreistündigen Veranstaltung war es mucksmäuschenstill. Die zum großen Teil traurigen und abenteuerlich bis gefährlichen Geschichten der Flüchtlinge haben die Schulklassen sichtlich beeindruckt. Flüchtlinge aus Vietnam, aus dem Sudetenland, aus Syrien und dem Irak hatten den Mut aufgebracht, ihre teilweise traumatischen Erfahrungen zu erzählen. Abenteuerliche Reisen in Waggons oder über Berge. Schlepper, die Flüchtlinge zwingen wollten in ein marodes Boot zu steigen, lange Fußmärsche und Odysseen durch verschiedene Länder - erfüllt von Hunger, Angst und Ungewissheit, dies waren die ergreifenden, wahren Geschichten, die an dem Tag zu hören waren.

Warum dieses große Engagement der RFH?
Die Antwort darauf gibt RFH Präsident Prof. Dr. Martin Wortmann: „Weil wir glauben, dass wir über Erfahrung auch unseren Studierenden Dinge ganz anders vermitteln können als über reine Wissensvermittlung. Denn hinter der Erfahrung steht immer etwas ganz Persönliches, etwas Lebendiges. Flucht haben wir gewählt, weil es ein aktuelles Thema ist und weil wir als Hochschule eine gesellschaftliche Verpflichtung haben.“ Prof. Dr. Heinz Theisen (KatHo) unterstreicht die Aussage: „In fast allen gesellschaftlichen Bereichen wird uns dieses Thema noch viele Jahre beschäftigen und die jetzt nachwachsende Generation muss dafür sensibilisiert werden und auch einiges an Wissen haben, um das bewältigen zu können.“

Prof. Dr. Martin Wortmann begrüßte die Gäste, die Schülerinnen und Schüler des Dreikönigsgymnasiums, Gymnasium Kreuzgasse und des Stadtgymnasiums Porz, Studierende der Rheinischen Fachhochschule und der Katholischen Hochschule NRW mit Prof. Dr. Heinz Theisen sowie die Vertreter der Partnerhochschulen von METIS, Prof. Dr. Edith Maier (FHS St. Gallen, Schweiz) und Prof. Dr. Dr. Sebastian Eschenbach (FH Burgenland, Österreich), der die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag zum Thema „Kompetenzen – Netzwerke – Strukturen: Flüchtlinge aus Managementsicht“ eröffnete. „Man kann auf Flüchtlinge emotional mit Euphorie und Panik regieren; oder man überlegt sachlich, was es braucht, damit die Neuankömmlinge wirtschaftlich rasch auf die Beine kommen. Die entscheidenden Faktoren dabei sind Kompetenz, Vernetzung und organisatorische Rahmenbedingungen.“ Prof. Dr. Wortmann richtete Grüße der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker aus, die den Gästen „viele interessante Einblicke und viele gute Gespräche bei dieser Veranstaltung der Rheinischen Fachhochschule Köln“ wünschte.

Übersetzer haben es möglich gemacht, dass sich alle länderübergreifend verstanden haben. Maike Nadar vom Sozialdienst für Flüchtlinge der Stadt Köln hat viel dazu beigetragen, dass sich Menschen mit Fluchterfahrung bereit erklärt haben, ihre Geschichten vor einem Publikum zu erzählen. „Ich habe von den Beteiligten die Rückmeldung bekommen wie wichtig, aber auch schwer es für sie war, ihre Geschichte zu erzählen.“ Der Moderator Johannes Büchs (ARD) hat im Vorfeld alle Gäste um Rücksicht und Respekt gebeten.

Storytelling als Transfer von Erfahrung

Die Umsetzung der Veranstaltung erfolgt durch das Europa-Institut für Erfahrung und Management – METIS, das mit dieser Veranstaltung vor allem hinterfragen wollte, wie Erfahrenes erzählt werden kann, um es begreifbar und nutzbar zu machen. Das Storytelling gilt dabei als eines der wichtigsten Transfermöglichkeiten von Erfahrung. Vor dem Hintergrund haben Maike Nadar und der Journalist Rainer Nübel zuvor Workshops mit den Klassen zum Thema „Storytelling“ durchgeführt. Hier haben die Jugendlichen die für Ausbildung und Beruf wichtigen Spielregeln der Recherche, des Strukturierens und des Storytellings gelernt und sind auf die Begegnung mit Flüchtlingen vorbereitet worden.

Your Story
Aus einem derartigen Workshop entstand auch der Song „Your Story“ der Wolfram-von-Eschenbach-Schule in Wiesbaden, die am Tag der Veranstaltung zum ersten Mal öffentlich aufgeführt wurde. Zusammen mit ihrem Lehrer und Bandleader Olli Back haben die Jugendlichen mit Migrationshintergrund einen Song im Funk-Stil komponiert, der unter die Haut geht. Mit dabei war auch der „Pianist in Trümmern“ Aeham Ahmad. Er musizierte gegen den Schrecken in Syrien an, bis Kämpfer des „Islamischen Staates“ sein Klavier in Brand setzten. In Deutschland hat er bereits einige Konzerte gegeben und wurde mit dem Internationalen Beethovenpreis ausgezeichnet.

Das Europa-Institut für Erfahrung und Management – METIS ist eine gemeinsame europäische Forschungseinrichtung der FH Burgenland (Österreich) und der Rheinischen Fachhochschule. Die FHS in St. Gallen (Schweiz) ist Projektpartner von METIS. Das internationale Institut realisiert zukünftig wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben zu aktuellen und strukturellen gesellschafts- und unternehmensbezogenen Themen im Zusammenhang mit »Erfahrungen«.

Bildergalerie

Downloads:

KStA 14.06.16 Fluchterfahrung.pdf
Grußwort H. Reker OB Köln

Kontakt:

Dr. Werner Bruns, Diplom-Sozialwissenschaftler (Senior Fellow)
Schaevenstrasse 1 a – b, 50676 Köln
Tel.: +49 0221 – 203022644
E-Mail:

 

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