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22.06.2017

Erfolgreich Scheitern

Beruflicher Erfolg ohne Erfahrungen des Scheiterns und ohne Ängste ist undenkbar. Diese Erkenntnis manifestierte sich im Wissenschaftstalk „Führung, Angst, Scheitern“ durch die bemerkenswert persönlich und offen vorgetragenen Erlebnisse von Walter Jertz, Generalleutnant a. D. der Luftwaffe und Friedrich Riempp, Geschäftsführer der R.I.E.MPP Industrieservice Elektrotechnik GmbH. Die gut besuchte Veranstaltung des „Europa-Institut für Erfahrung und Management- METIS“ und des Verbandes „Die Führungskräfte“ lieferte den Rahmen für einen Erfahrungsaustausch mit Erkenntnisgewinn im Umgang mit dem Scheitern.

 

Aus Fehlern wird man klug, heißt es. Doch in Wahrheit gesteht sich niemand gern ein, an einer Aufgabe gescheitert zu sein oder eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Dennoch sind solche Erfahrungen unausweichlich und oft lehrreich. „Erfahrung spielt in unserem täglichen Handeln eine große Rolle. Das kann auch mit Ängsten verbunden sein und mit Scheitern“, sagte RFH-Präsident Prof. Dr. Martin Wortmann in seiner Begrüßung. „Es ist wichtig, dass wir auch in der Lehre diesen emotionalen Aspekt vertiefen. Deshalb freue ich mich, dass heute auch viele Studierende unter den Gästen sind, um Erfahrungen mit anderen zu teilen.“

Mitveranstalter Philippe Schollmeyer vom Verband der Führungskräfte betonte: "Scheitern und Misserfolge sind in der Regel mit sehr negativen Gefühlen verbunden. Das führt unter anderem dazu, dass diese Themen in der Außendarstellung und in der Diskussion in den Hintergrund rücken. Dennoch sind gerade diese Ereignisse fester Bestandteil des menschlichen Entwicklungsprozesses. Daher gilt insbesondere in jungen Jahren: Machen Sie Fehler und lernen Sie daraus. Sonst tun es andere."

Nicht selten führen Fehlentscheidungen zu großen Entdeckungen, häufig aber lassen sie einen nicht mehr los, vor allem, wenn Menschenleben daran hängen. Diese Erfahrung hat auch Walter Jertz, Generalleutnant a. D. der Luftwaffe und Starfighter und Tornadopilot, schon in jungen Jahren machen müssen. Manche Erlebnisse bleiben für ihn auf tragische Weise unvergesslich, auch wenn ihn keine direkte Schuld trifft. „Man fühlt sich trotzdem verantwortlich, wenn man vor einer schwangeren Frau steht und ihr sagen muss, dass ihr Mann gerade abgestürzt ist.“
Ab 2002 war Jertz Befehlshaber Luftwaffenführungskommando in Köln-Wahn und damit truppendienstlicher Vorgesetzter aller Angehörigen der Einsatzverbände der Luftwaffe. Ihm unterstanden rund 32.000 Soldaten, etwa 8000 zivile Mitarbeiter sowie 460 Kampf- und rund 180 Transportflugzeuge der Luftwaffe, die für den Einsatz und für humanitäre Hilfeleistungen eingesetzt werden konnten. Gute Führung ist für Jertz „Loyalität von unten nach oben und von oben nach unten.“

Fünf Führungsstile benannte Jertz an dem Abend: „Führung durch Vorbild“, „Führung durch klare Anweisungen“, „der kompetenteste führt“, der „kooperative Führungsstil“ und „Führung durch Vertrauen“. Bei den anwesenden Gästen war „Führung durch Vertrauen“ der meist erfahrene Führungsstil.

Sein guter Führungsstil hat ihn vermutlich auch gerettet - unter anderem. Friedrich Riempp Geschäftsführer der R.I.E.MPP Industrieservice Elektrotechnik GmbH, in Oberboihingen im Landkreis Esslingen hat vor einigen Jahren eine Insolvenz durch die Finanzkrise hinter sich lassen können. „Mehr geben als Nehmen“ ist seine schwäbische Philosophie, „aber auch zum richtigen Zeitpunkt nehmen können“, erklärte der bodenständige Unternehmer. Nach bangen Monaten hatte er Glück: Einige seiner Kunden haben ihm damals aus Vertrauen und Verbundenheit finanziell aus der Krise geholfen. Und sogar Mitarbeiter haben Privatvermögen investiert, damit das Unternehmen mit ca. 130 Mitarbeitern überleben kann.

Unmissverständlich deutlich machte Riempp an dem Abend, wie katastrophal es ist, wenn man plötzlich keinen Cent mehr hat, weil alle Konten gesperrt sind und die Existenz einer Familie und vieler Mitarbeiter auf dem Spiel steht. Auf den eigenen Untergang zu warten, kam nicht in Frage. Stattdessen hat Friedrich E. Riempp gekämpft und auch Hilfe angenommen. Darüber hinaus hat er ein ganz neues Geschäftsfeld entwickelt, mit einem System, das als „digitaler Knotenpunkt“ technische Anlagen vernetzt und steuert und deren Energieverbrauch um bis zu 40 Prozent senken kann.

Prof. Dr. Uwe Neugebauer, RFH-Dozent für Wirtschaftspsychologie gab Einblicke zum Thema Scheitern aus psychologischer Sicht. Seine Empfehlungen für das Verhalten nach dem Scheitern haben Friedrich Riempp und Walter Jertz beide aufgrund ihrer Persönlichkeit und Erfahrungswerten umgesetzt und sind damit gut gefahren.

- Keine schnellen Schuldzuweisungen! Vor allem nicht einen Faktor als Erklärung nehmen
- Offen sein für alternative Erklärungen, warum es nicht klappte
- Distanz aufbauen, eigenen Selbstwert stabilisieren, das Erlebte relativieren
- Eigene Perspektive verlassen, Fremdperspektive einnehmen

 

Großer Dank an alle Beteiligten

RFH Präsident Prof. Dr. Martin Wortmann und RFH Kanzler Thore Eggert bedankten sich bei Philipp Schollmeyer vom Verband „Die Führungskräfte“ für die Kooperation und bei der RWE für die Unterstützung der Veranstaltung sowie bei allen Teilnehmern für ihr Engagement und die Bereitschaft über das eigene Scheitern zu sprechen.

Das Format „Wissenschaftstalk“
“METIS setzt auf Veranstaltungsformate, die die Führungskraft als ganzen Menschen erfassen! Die Führungskraft mit all den Sorgen und Ängsten, mit Humor und Klugheit. Nur so wird NICHT LINERAES DENKEN als menschliche Domäne transparent. Wir sind sehr zufrieden mit dem Format, unsere Erwartungen sind erfüllt worden“, resümiert Prof. Dr. Werner Bruns vom „Europa-Institut für Erfahrung und Management-METIS.

Das Rahmenprogramm
Jazz-, Pop- und Soulsängerin Tsega Tebege und Schauspieler und Goethes Faust-Kenner Peter Vogt sorgten für das kulturelle Rahmenprogramm.

Die Moderation
Die Moderation übernahm in bewährter Tradition der Fernsehmoderator Johannes Büchs.

 

 

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