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06.11.2017

RFH-Besucheranalyse 2017 bestätigt Erfolg des freien Eintritts

Das Museum Folkwang in Essen ist in Deutschland das erste Kunstmuseum von nationalem Rang, das den Eintritt in die ständige Sammlung komplett frei gestellt hat. In Folge des Gratiseintritts steigerten sich die Besucherzahlen des Museums erheblich. Die damit verbundene, jedoch nicht geklärte Frage war, wie sich dies qualitativ auf den Besucherzuspruch auswirken würde. Die repräsentative Besucherbefragung durch Prof. Dr. Tibor Kliment und RFH-Studierenden bestätigt vor allem die Erschließung von neuen, jüngeren Zielgruppen, den Aufbau eines Stammpublikums, steigende Zahlen beim Erstpublikum und die Entwicklung einer stärkeren Beziehung zur Kunst.

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Eingangsbereich Museum Folkwang © Museum Folkwang 2017 Foto: Giorgio Pastore

Möglich wurde der freie Eintritt in die ständige Sammlung des Museums durch eine Millionen-Spende der Stiftung Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, die durch den freien Eintritt verlorenen Einnahmen für fünf Jahre kompensierte. In Folge des Gratiseintritts verdoppelten sich die Besucherzahlen des Museums. Die damit verbundene und jedoch nicht geklärte Frage war, wie sich dieses qualitativ auf den Besucherzuspruch auswirken würde.

Prof. Dr. Tibor Kliment vom Fachbereich Medien der Rheinischen Fachhochschule Köln führte in Zusammenarbeit mit Studierenden der Medienwirtschaft (Bachelor Media and Marketing Management) eine repräsentative Befragung von 700 Besuchern des Folkwang Museums durch. Ziel der wissenschaftlichen Studie war es, die Auswirkungen des Projekts auf die Besucherstruktur und das Besuchsverhalten zu untersuchen. Im Mittelpunkt standen unter anderem folgende Fragen:

In theoretischer Hinsicht ist die Fragestellung insofern bedeutsam, als sich die diesbezügliche Literatur skeptisch zu den Effekten eines freien Eintritts äußert. Mehr kulturelle Teilhabe, so der Tenor der meisten Schriften, würde durch einen kostenlosen Eintritt nicht erreicht. Würde dagegen das neue Preismodell nachgewiesen erfolgreich sein, so könnte dies kulturpolitischer Hinsicht eine Vorbildfunktion für die hiesige Museumslandschaft haben.

Die im Frühjahr 2017 durchgeführte Untersuchung bestätigte die in den freien Eintritt gesetzten Hoffnungen zum Teil. Von den Besuchern der ständigen Sammlung war der freie Eintritt für 49% entscheidend, um die ständige Ausstellung zu sehen. Speziell in der Gruppe der 16 bis 35 Jahre alten Besucher verdoppelten sich sogar die Besucheranteile aufgrund des freien Eintritts. Dagegen war die Preissensibilität unter den älteren Besuchern gering.

Zudem stieg die Zahl der Erstbesucher stark an: 27 % besuchten das Museum Folkwang zum ersten Mal. In allen demographischen Gruppen konnten dabei Zuwächse erreicht werden, bei den jüngeren Besuchern um 87 % (16-34 Jahre), im Segment der Besucher mit schwächeren Bildungsabschlüssen noch um 22%. Unter der Essener Bevölkerung konnte ein deutliches Plus von 30% an Besuchern generiert werden.

Die Studie zeigte zudem deutlich, dass es gelungen war, ein Stammpublikum aufzubauen, das überdurchschnittlich häufig ins Haus kommt. Die Besuchshäufigkeit hat sich nach dem freien Eintritt insbesondere unter der jungen Besuchergruppe von 16-34 Jahren gesteigert, 48% geben hier an, häufiger zu kommen. Das Publikum verkürzt dabei aber deutlich seine Verweildauer: 14 % sind „Schnupperbesucher“ und bleiben unter einer Stunde im Museum Folkwang.

Mehr als jeder zweite Befragte fühlt sich durch den freien Eintritt stärker mit dem Museum verbunden. Das gilt insbesondere wieder für die jüngeren Besucher. 44% der Besucher gaben an durch den freien Eintritt eine stärkere Beziehung zur Kunst zu entwickeln, gleichzeitig stiegen auch die Ansprüche in Richtung Unterhaltung und Erlebnisorientierung. Auch hier ragten junge Besucher deutlich heraus. Die erhofften Effekte auf einen verstärkten Besuch der nach wie vor kostenpflichtigen Sonderausstellungen blieben jedoch ebenso aus, wie ein vermehrter Konsum in den Bereichen Restauration und Shops. Die potenziellen Einnahmeausfälle durch den freien Eintritt werden also nicht andernorts kompensiert.

"Der freie Eintritt hat zusätzliche Besucher in das Museum Folkwang gebracht aber auch vorhandene Besucher stärker gebunden. Der damit gewonnene teilweise Einzug eines strukturell museumsferneren Publikums ins Museum ist besonders bemerkenswert", so Professor Kliment.

Kritisch ist anzumerken, dass der freie Eintritt in Summe nicht zu einer echten Öffnung in Richtung eines sozialstrukturell breiteren Publikums führte. Nach wie vor dominierte das eher ältere und zu über 80 % akademisch gebildete Publikum, die Zugewinne bezogen sich primär auf junge Menschen mit Abitur bzw. Hochschulabschluss aus der Region. Die klassische bildungsbürgerliche Klientel des Museums änderte sich also strukturell nicht. Die Bedeutung des kostenfreien Eintritts bedeutete zwar den Wegfall einer Zugangsbarriere, andere wichtige Hemmnisse bleiben jedoch bestehen. Immerhin wurde aber mit der deutlichen Verjüngung des Publikums ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunftssicherung des Museums getan.

Die Studie wurde im Frühjahr-Sommer 2017 durchgeführt.

Kontakt
Rheinische Fachhochschule Köln
Prof. Dr. Tibor Kliment, E-Mail: tibor.kliment@rfh-koeln.de

Pressemeldung Folkwang Museum
https://www.essen.de/meldungen/pressemeldung_1117340.de.html


Museum Folkwang, Essen
www.museum-folkwang.de

 

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