Eine studentische Arbeitsgruppe aus dem Studiengang Medienwirtschaft, Studienschwerpunkt Marketing, führte im Sommersemester 2010 unter Leitung von Prof. Dr. Tibor Kliment eine umfangreiche Evaluation des Veranstaltungsangebots der Städtischen Museen Köln durch.
In die Untersuchung einbezogen wurden das Museum Ludwig, das Museum für Angewandte Kunst, das Museum für Ostasiatische Kunst, das Römisch-Germanische Museum, das Kölnische Stadtmuseum sowie das NS-Dokumentationszentrum.
Der Museumsdienst Köln führt in diesen und weiteren Museen jedes Jahr etwa 6.000 Veranstaltungen durch, die insgesamt von ca. 120.000 Teilnehmern im Jahr genutzt werden. Hier handelt es sich um ein breites Spektrum von Angeboten, das von Führungen, Workshops über Familienangebote und Seniorentreffs bis hin zu Schüler-/Studentenführungen oder Unternehmens-Events reicht. Abgesehen von einigen wenigen Statistiken lagen bislang kaum Informationen zur Nutzung, Akzeptanz und Bewertung dieser Angebote durch die Teilnehmer vor.
Ziel des Projektes war, dieses umfangreiche Programm zusammen mit dem Museumsdienst der Stadt erstmalig systematisch auf einer breiten wissenschaftlich-repräsentativen Basis zu evaluieren. Konkret wurden die Besucherstruktur und der Besuchskontext, die Nutzung, die Erwartungen an und Bewertung der Veranstaltungen, die genutzten Informationsquellen, Zahlungsbereitschaften für die Angebote u.a.m. erhoben. Darüber hinaus das das Projekt helfen, im Sinne einer formativen Evaluation die Angebote des Museumsdienstes künftig noch publikumsgerechter gestalten zu können.
Dazu wurden zwei miteinander verbundene Untersuchungen durchgeführt: Zum einen eine repräsentative Befragung der Teilnehmer aller Veranstaltungen in den relevanten Museen, zum anderen die repräsentative Analyse der Beurteilungen durch die diese Veranstaltungen jeweils durchführenden Leiter bzw. Guides. Diese zusätzliche Befragung verfolgte zwei Ziele: Zum Einen sollten eine systematische Bewertung der Veranstaltungen aus Sicht der Durchführenden vorgenommen werden und zum Zweiten sollten die Ergebnisse der Teilnehmerbefragung mit den Einschätzungen der Guides gespiegelt werden. Diese Gegenüberstellung sollte Vergleiche hinsichtlich der Einschätzung der Veranstaltungen durch die Durchführenden und die Besucher erlauben.
Insgesamt wurden über 700 Interviews mit den Veranstaltungsteilnehmern durchgeführt und ca. 100 Veranstaltungsleiter mit einem eigenständig konzipierten Fragebogen befragt.
Einige Kernergebnisse aus der umfangreichen Studie werden im folgenden kurz vorgestellt.
Hinsichtlich der demographischen Merkmale zeigt sich bei den Teilnehmern das klassische Muster der Museumsbesucher: Überwiegend eine akademische Bildung (24% Abitur, 45% Studium) und eine leichte Dominanz weiblicher Teilnehmer (63% weiblich).
Mit durchschnittlich 39 Jahren war der Teilnehmer allerdings auffällig jünger als der normale Museumsbesucher.
Die Zufriedenheit der Teilnehmer mit dem umfangreichen Angebot des Museumsdienstes war sehr hoch, die Erwartungen an die Veranstaltungen wurden erfüllt, und auch der äußere Rahmen hinsichtlich Räume, Anmeldung, Organisation etc. schien zu stimmen.
Von den befragten Besuchern bewerteten 81 Prozent auf einer 6-stufigen Schulnotenskala die Veranstaltungen Gut oder Sehr gut, 15 Prozent fanden diese zufriedenstellen, und nur 4 Prozent äußerten eine schlechte Bewertung.
Diese äußerst positive Resonanz spiegelt sich auch in der fast uneingeschränkten Bereitschaft der Teilnehmer (94 Prozent), die Veranstaltung auch an andere weiter zu empfehlen, wobei sie mehrheitlich an Freunde und Bekannte dachten.
Fragte man die Veranstaltungsteilnehmer, inwieweit die in den Besuch gesetzten Erwartungen denn auch erfüllt wurden, so zeigt sich einmal mehr das Bild großer Zufriedenheit: 43 Prozent der Teilnehmer geben an, ihre Erwartungen seien voll und ganz erfüllt worden, weitere 46 Prozent sehen diese überwiegend erfüllt. Enttäuscht äußern sich nur 4 Prozent der Befragten, 7 Prozent der Teilnehmer haben im Vorfeld der Veranstaltung gar keine Erwartungen gehabt.
Gleichzeitig differenzieren die Teilnehmer bei der Bewertung der verschiedenen Veranstaltungsformate z.T. recht deutlich. Danach wurden bei den Seniorentreffs und den Kreativworkshops die Erwartungen bei weitem am besten getroffen, gefolgt von den Vorträgen und Schüler/Studenten- bzw. allgemeinen Führungen, während die Familienführungen bei den Teilnehmern tendenziell einige Wünsche offen ließen.
Zwischen den verschiedenen Altersgruppen gab es deutliche Unterschiede bei den Bedürfnissen, aus denen heraus die Veranstaltungen besucht wurden.
Das Interesse an Kunstinformationen war vor allem für die älteren Teilnehmer das zentrale Motiv, während die jüngeren Besucher dies zwar auch nannten, jedoch nicht in der Intensität (72 Prozent ältere Befragte bzw. 33 Prozent jüngere Befragte trifft stark zu). Spaß und Entspannung waren dagegen bei den jüngeren Teilnehmern und noch mehr den Personen mittleren Alters mit knapp 70 Prozent der Nennungen deutlich wichtiger als den Älteren (40 Prozent).
Nur geringe Unterschiede zeigten sich dagegen in dem Anspruch, sich allgemein weiter zu bilden, der von allen Altersgruppen geteilt wurde.
Da auch das jeweilige Museum, in dem die Veranstaltung stattfindet, in die Bewertungen auswirken, wurde die Analyse zusätzlich nach den Museen, in denen die Veranstaltungen stattfanden, differenziert.
Eindeutiger Publikumslieblinge waren die Veranstaltungen im Museum für Ostasiatische Kunst und im Museum Ludwig, danach folgten das Museum für Angewandte Kunst und das Römisch-Germanische Museum. Die unterschiedlichen Bewertungen für das NS-Dokumentationszentrum und das Kölnische Stadtmuseum waren aufgrund der geringeren Fallzahlen nur mit Vorsicht zu interpretieren.
Schließlich zeigte die Teilnehmerbefragung, dass Insbesondere die Kompetenzen und Vermittlungsleistungen der Veranstaltungsleiter von den Teilnehmern außerordentlich geschätzt wurden. Die für sie vergebenen Noten bewegten sich durchweg im sehr guten bis guten Bereich.
Die zusätzliche, mit einem anderen Fragebogen unternommene Befragung der Veranstaltungsleiter bzw. Guides ergab ein ähnlich positives Bild. Die Zufriedenheit mit den von Ihnen durchgeführten Veranstaltungen war im Regelfall hoch und korrespondierte mit den positiven Urteilen ihrer Besucher. Stellenweise waren die Guides gegenüber ihren Veranstaltungen sogar kritischer als ihr Publikum.
Auch hier waren z. T. deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Veranstaltungen erkennbar: Relativ schlecht bewerteten die Guides die Familien-, Schüler-/Studentenführungen und Kinderführungen, was u. a. der größeren Gruppengröße (Familienführung), der heterogenen Zusammensetzung der Gruppen und insbesondere dem mehr oder weniger von außen vorgegebenem Besuchsanlass der Teilnehmer (Schülerführungen) geschuldet sein mag.
Abschließend fiel auch die Bewertung der Zielerreichung der Guides in ihren Veranstaltungen sehr hoch aus. Danach gaben 95 Prozent der Guides an, ihre Ziele voll und ganz (44 Prozent) bzw. überwiegend (51 Prozent) erreicht zu haben. Auch dieses Ergebnis deckte sich mit der oben festgestellten Zufriedenheit der Teilnehmer. Dies legt einmal mehr die Vermutung nahe, dass auf Seiten der Guides wie auch bei den Teilnehmern offenbar sehr ähnliche Maßstäbe an die Veranstaltungen angelegt wurden.
Die hier nur in kleinen Ausschnitten wiedergegebenen Ergebnisse wurden in der Schriftenreihe "Kölner Beiträge zur Medienwirtschaft" der RFH veröffentlicht.
Zu den Informationen über den Studiengang Medienwirtschaft
Rheinische Fachhochschule Köln
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