Werkstattgespräch: Staat, Gesellschaft und Technik in Zeiten der Corona-Pandemie

In einem Werkstattgespräch nimmt der Soziologe und Leiter des Europa-Instituts für Erfahrung und Management – METIS, Prof. Dr. Werner Bruns, Stellung zu den Auswirkungen der Pandemie auf Staat, Technik und Gesellschaft: "Wir befinden uns in einem sozialen Entzugserscheinungsprozess mit negativen Folgen für den einzelnen Menschen. Das führt das zu einem „Digitalen Hospitalismus“.

Herr Bruns, Sie sind Soziologe und Studiengangsleiter für „Digital Transformation Management“ an der RFH am Standort Neuss. Sie beobachten die gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen. Was sind Ihre Einschätzungen vom Leben unter den Bedingungen der Pandemie durch Corona?

Prof. Bruns
Ich möchte drei Aspekte nennen, die sich auf Staat, Gesellschaft und Technik beziehen:
Die Digitalisierung selbst bekommt gerade in bestimmten Bereichen einen Schub wie wir wissen. So zum Beispiel in der Softwareentwicklung oder Logistik. Hier mache ich mir relativ wenig Sorgen, obwohl die Nebenwirkungen für einzelne Unternehmen aus dem Industriezeitalter schon auch heftig sind. Auf die Hochschulen bezogen, entstehen immer neue Bildungsangebote im Bereich der Digitalisierung und der Digitalen Transformation. Das sehe ich als wichtige Innovation an, vor allem, dass sozialwissenschaftliche Inhalte in Hochschulen für angewandte Wissenschaften vermehrt vermittelt werden. Das heißt, die Digitale Transformation erfordert eine viel schnellere Anpassung der Bildungsinhalte von Studiengängen und Weiterbildungen. Daran arbeitet das „Europa-Institut für Erfahrung und Management - METIS“ nachhaltig.

Zum Staat: Der öffentliche Bereich bringt sich durch seine Ausgabenpolitik derzeit in große Schwierigkeiten, die Verschuldung wird uns noch einholen bzw. lange beschäftigen. Am Ende werden höhere Steuern kommen müssen, die die wirtschaftliche Entwicklung stark beeinträchtigen werden. Zudem bekommen wir Steuermindereinnahmen durch insolvente Unternehmen und eine immense Belastung des Sozialstaates, nicht nur im Gesundheitsbereich als Folge von Corona. Der Kampf um die verbliebenen Ressourcen wird steigen. Ich hoffe nicht, dass das Haushaltsdefizit zulasten der Schulen und Hochschulen geht.

Nun zur Gesellschaft und den Folgen aus der Pandemie: Wir befinden uns in einem sozialen Entzugserscheinungsprozess mit negativen Folgen für den einzelnen Menschen. Meiner Ansicht nach führt das zu einem „Digitalen Hospitalismus“, insbesondere angesichts der Dauer des Lockdowns. Wir planen mittlerweile in Deutschland das dritte Onlinesemester. Für viele Studentinnen und Studenten ist das nicht nur erschwerte Lernsituation, auf die sie durch die Schulen überhaupt nicht vorbereitet wurden, es fehlt ihnen auch das studentische Leben auf dem Campus. Die Erfahrung Studentin oder Student zu sein hat eine andere Qualität bekommen.

Was meinen Sie damit?

Prof. Bruns
Wenn die ganze Gesellschaft ihre sozialen Kontakte nur noch übers Internet aufrecht erhalten kann und die Kommunikationen stark eingeschränkt sind, führt das zu Deprivationen und Anpassungsprozessen von uns Menschen. Das trifft nicht nur Studierende und Lehrende, sondern uns alle. Organisationen, denken sie u.a. an Vereine und Kirchengemeinden, nehmen ebenfalls Schaden, weil ganze Kommunikationsnetze abreißen.

Bedeutet das, dass der Lockdown ein Fehler ist?

Prof. Bruns
Nein, aber man muss das im Auge behalten. Es gibt diese Nebenwirkungen und die beschäftigen uns über die Pandemie hinaus. Der „Digitale Hospitalismus“ — ich glaube der Begriff trifft das Phänomen sehr gut — ist eine nicht zu unterschätzende Folgewirkung der Bewegungs- und Kommunikationseinschränkungen.

Keine guten Aussichten, oder?


Prof. Bruns
Natürlich sind das auch gute Aussichten, Menschen sind Problemlöser. Am Ende finden sie immer eine Lösung. Den Optimismus sollten wir uns nicht nehmen lassen. Probleme, das wissen wir aus der Geschichte der Menschheit, erzeugen Innovationen. Wichtig ist, die Probleme kritisch-rational zu analysieren. Das vermitteln wir in unseren Studiengängen der RFH Köln.

Was kann man tun?

Prof. Bruns
Wie gesagt, die Probleme des Ausnahmezustands heute kritisch-rational analysieren und dann adäquate Lösungen entwickeln. Optimistisch denken, kreativ und innovativ herangehen und soziale Kompetenz leben!

Prof. Dr. Werner Bruns ist Leiter des Europa-Instituts für Erfahrung und Management – METIS, eine gemeinsame Forschungsinitiative der FHWien der WKW und der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH). Das internationale Institut führt Forschungsvorhaben im Bereich „Erfahrungswissen“ durch und sorgt für einen Transfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

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