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Webdesign für Blinde und Sehbehinderte

Regelwerk für barrierefreie Internetseiten für Blinde und Sehbehinderte. Die Abschlussarbeit erhielt beim Kölner Designpreis 2015 eine Anerkennung.

Ziel der Arbeit

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Das Internet hat als Informations- und Kommunikationskanal in den letzten Jahren stark an Bedeutung zugenommen. Nicht zuletzt durch das Aufkommen des Web 2.0 und das heute überall verfügbare mobile Internet birgt es für blinde und sehbehinderte Personen ein großes Potenzial zum Erhalt der Selbstständigkeit und zur Teilnahme an digitalen Gemeinschaften. Dieses Potenzial wird unter anderem sichtbar am Beispiel des Smartphones. Durch das mobile Internet können diese Geräte die Funktionen von bisherigen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Farberkennungs- und Vorlesegeräten, vereinen, so dass die Betroffenen orts- und situationsunabhängig autark handeln können.

Auf der anderen Seite existieren trotz gesetzlicher Regelungen zur Barrierefreiheit von Internetseiten und sozialen Netzwerken heute noch Seiten, die verschiedene körperlich und kognitiv behinderte Personen ausgrenzen. Dies rührt nicht zuletzt von den Diskrepanzen zwischen den unterschiedlichen Gesetzgebungen der verschiedenen Länder her sowie dem fehlenden Bewusstsein und Know-how der heutigen Webdesigner. Darüber hinaus werden die unterschiedlichen Nutzerbedürfnisse der verschiedenen Arten von Behinderten nicht berücksichtigt. Ein Beispiel hierfür ist das weltweit genutzte, soziale Netzwerk Facebook, das unter anderem durch den Aufbau seiner Chronik die Benutzung eines Screen-Readers ausschließt.

Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, Webdesignern die Bedeutung der Barrierefreiheit im Web näherzubringen, das Bewusstsein für die Wahrnehmungsweisen von kognitiv und körperlich eingeschränkten Personen zu schärfen und ein Interesse für das Thema zu wecken. Hierbei wird der Fokus auf die Wahrnehmung von Blinden und Sehbehinderten gelegt. Die Forschungsfragen lauten daher wie folgt: Wie kann man Webdesignern das nötige Fachwissen zur Konzeption und Gestaltung von barrierefreien Internetseiten vermitteln? Wodurch kann man die selbstbestimmte Teilnahme von Blinden und Sehbehinderten an digitalen, sozialen Netzwerken gewährleisten?

Umsetzung

Im Laufe der Thesis wurde herausgearbeitet, dass die Problematik von Barrieren im Internet nur durch die Zusammenarbeit mehrerer Parteien endgültig gelöst werden kann. Dazu gehören neben den Webdesignern auch die Blinden und Sehbehinderten selbst sowie die Betreiber von Webseiten. Webdesignern fehlt die Vorstellung, wie Blinde mit Interfaces interagieren, woraus ein Fehlverständnis aufkommt. Es entsteht der Eindruck, dass Blinde und Sehbehinderte das Internet nicht in diesem Umfang nutzen. Dem gegenüber unterstellen Blinde und Sehbehinderte den Webdesignern Ignoranz, obwohl sie sich selber der Komplexität in der Umsetzung einer barrierefreien Webseite nicht bewusst sind.

Um diese Problematik zu lösen, wurde ein umfangreiches Regelwerk erstellt, das auf zwei Entwicklungsbereiche einer Webseite, Programmierung und visuelle Gestaltung, eingeht.

Damit Webdesigner sich besser in die Zielgruppe hineinversetzen können, schafft ein entwickelter interaktiver Leitfaden ein Verständnis für den Seheindruck von Sehbehinderten und unterstützt sie bei der Umsetzung von barrierefreien Webseiten. Hierzu bündelt der Leitfaden das nötige Grundlagenwissen. Bei der Konzeption war es wichtig, dass die Regeln im Leitfaden nicht zu theoretisch formuliert sind und jederzeit die Möglichkeit gegeben ist, Erlerntes ausprobieren zu können.

Ein sekundäres Ziel des Leitfadens ist es, Webdesignern das Vorurteil zu nehmen, dass barrierefreie Webseiten nicht ihren ästhetischen Ansprüchen genügen können. Des Weiteren sollten Webdesigner so motiviert werden, dass sie ihre Überzeugung auch an Auftraggeber weitergeben können. Die entwickelte Webseite kann einen ersten Schritt darstellen, diese Ziele zu erreichen.

Um insbesondere die Nutzung von sozialen Netzwerken durch Blinde und Sehbehinderte gewährleisten zu können, müssen zwei weitere Gruppen zusammengebracht werden. Zum einen dürfen sich Blinde und Sehbehinderte nicht vor neuer Technologie und Anwendungen des Web 2.0 verschließen. Zum anderen müssen die Betreiber von sozialen Webseiten auf die Bedürfnisse aller Nutzergruppen eingehen. Mit Hilfe des Redesign-Ansatzes von Facebook wurde gezeigt, dass es nur weniger einfacher Veränderungen bedarf, um Blinden und Sehbehinderten den Zugang zu sozialen Netzwerken nachhaltig zu erleichtern. Dies soll ein Anstoß für Webseitenbetreiber und -entwickler sein, sich auch der Bedürfnisse dieser Zielgruppe anzunehmen.

 

Bachelorthesis von Annika Fecke und Sabine Jeleniowski, Wintersemester 2014/2015
Betreuung: Prof. Dr. Martina Joisten

 

Die RFH Köln ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Designtheorie und -forschung

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